Israel

Seit 12 Jahren begleitet Emil Bolli als Koch die Nationalmannschaft regelmässig zu den Auswärtsspielen. Dabei hat er viel gesehen und viel erlebt. Im vergangenen September reiste die Nationalmannschaft zum WM-Qualifikationsspiel nach Israel, wo Bolli in Konflikt mit den jüdischen Speisegesetzen kam.

Die Redewendung «hier ist etwas nicht koscher» hat für Nationalmannschafts-Koch Emil Bolli seit dem WM-Qualifikationsspiel in Israel im Herbst 2008 eine ganz besondere Bedeutung. Während des Aufenthalts ergriff er besondere Massnahmen, damit die Spieler nicht auf ihre gewohnt gesunde und schmackhafte Sportlernahrung verzichten mussten.

Klare Regeln

Zur Klärung der Ausgangslage: Der Begriff «koscher» kommt aus dem Hebräischen und bedeutet soviel wie «rein», «tauglich» oder auch «geeignet». Er wird für zahlreiche Dinge des jüdischen Lebens und der Tradition verwendet. Umgangssprachlich wird aber vor allem als koscher bezeichnet, was nach den jüdischen Speisevorschriften als rituell rein gilt. Die Speisegesetze enthalten Regeln zur Zubereitung von Speisen, die im Tanach, der Hebräischen Bibel, danach im Talmud sowie im späteren rabbinischen Schrifttum festgelegt sind. Es wird nicht nur beschrieben, welche Lebensmittel von einem gläubigen Juden als zum Verzehr geeignet betrachtet werden, sehr detailliert wird auch auf Regeln der Zubereitung der Speisen sowie der Einrichtung von Küchen und der Handhabung von Utensilien, die mit Speisen in Berührung kommen, eingegangen.

Koch unter Kontrolle…

Dass sich diese Regeln nicht unbedingt mit den Vorstellungen einer gesunden und schmackhaften Sportlernahrung decken, liegt auf der Hand, und erklärt auch den Konflikt zwischen Emil Bolli und einem Rabbiner. So war es Bolli nicht möglich, nach Israel die eigenen Lebensmittel mitzunehmen, zuzubereiten und im Saal zu servieren. Bolli glaubte aber, zumindest im Speisesaal für die Spieler sein eigenes Olivenöl, den Balsamicoessig, Pfeffermühle und Salz auflegen zu dürfen. Da irrte er allerdings, wie ihm der Rabbiner freundlich aber bestimmt beschied. Von diesem Moment an stand Bolli unter verstärkter Kontrolle. Am Spieltag – einem Sabbat – tauchte der Rabbi bereits um 07.00 Uhr in der Küche auf, um zu kontrollieren, dass bei der Frühstückszubereitung alles mit rechten Dingen zugeht. Fünf weitere Kontrollen sollten an diesem Tag noch folgen.

…aber nicht ganz

Auch so mussten die Spieler aber weder auf ihr geliebtes Birchermüesli in Originalrezeptur noch auf ihren Kaffee verzichten. Beim Birchermüesli musste Emil Bolli – der sich sonst strikt an die Regeln hielt – einen kleinen Trick anwenden. So verlangte er vom Hotel zwar Haferflocken, mischte dem Müesli aber anschliessend seine eigenen Haferflocken bei. Ein Teil der Haferflocken aus dem Hotel wusste Bolli andersweitig zu verwenden und als der Rabbi zur Kontrolle kam, wies ihn unser einfallsreicher Nati-Koch auf den halbleeren Sack Hotel-Haferflocken hin und sagte: «Der Rest ist drin!»

Die Espresso-Bar im Hotelzimmer

Die speziellen Regeln bringen es auch mit sich, dass am Sabbat keine Kaffeemaschinen betrieben werden dürfen. Unter unseren Nati-Cracks gibt es aber zahlreiche Kaffeefans und beispielsweise für Alex Frei gehört ein starker Kaffee geradezu zur Matchvorbereitung. Auch in diesem Fall wusste Bolli Rat: Er organisierte eine kleine Kaffeemaschine, installierte diese in seinem Zimmer und empfing die Spieler dort zu einem feinen Espresso. Einen neuen

Freund hat Emil Bolli im Rabbiner wahrscheinlich nicht gefunden, dafür war er bei den Spielern einmal mehr «der König».

 

(13.01.2009 – Patrick Gunti für SFV Fan Club)