Aserbaidschan

Seit 12 Jahren begleitet Emil Bolli als Koch die Nationalmannschaft regelmässig zu den Auswärtsspielen. Dabei hat er viel gesehen und viel erlebt. Zu seinen ereignisreichsten Auslandsreisen gehört sicherlich die Premiere Ende August 1996 in Aserbaidschan.

Die Delegation hatte viele Lebensmittel dabei. Bollis Aufgabe war es, diese nach der Ankunft am Flughafen von Baku so schnell wie möglich ins Hotel bringen zu lassen. Was «so schnell wie möglich» zu bedeuten hatte und wie die Lebensmittel ins Hotel gelangen sollten, darin waren sich Bolli und die aserbaidschanischen Behörden aber gänzlich uneining.

Empfangskomitee mit Maschinengewehr

Die Odyssee begann schon auf dem Rollfeld, wo Bolli von einer Dolmetscherin und zwei bewaffneten Sicherheitskräften in Empfang genommen wurde, die der irrigen Annahme waren, die Lebensmittel seien für den Heimflug bestimmt. Bis dahin würden sie nun am Flughafen eingelagert. Mit viel Überzeugungsarbeit gelang es unserem Nationalmannschafts-Koch, dass das Trio letztlich einem Transport der Lebensmittel ins Hotel doch noch zustimmte. Allerdings wurde Bolli die Mitfahrt im Lastwagen mit «seinen» Lebensmitteln aus unverständlichen Gründen verweigert. Bolli, Krisen-erprobt und auf Unvorhergesehenes eingestellt, nahm mit einem Bus «die Verfolgung» über das Rollfeld auf – bis der Lastwagen links Richtung Zoll und der Bus rechts Richtung Hotel abbog.

Abenteuerlicher Weg zum ersten Menü

Lebensmittel und Bolli – das liess sich aber schon damals nicht trennen, und so stieg Bolli aus, rannte dem Lastwagen hinterher und «sicherte» die Ware, indem er kurzerhand auf den Lastwagen sprang. Nicht minder pflichtbewusst wurde Emil Bolli von den zahlreichen Vertetern der aserbaidschanischen Bürokratie umgehend wieder des Lasters verwiesen und erst nach langen Diskussionen wurde es ihm erlaubt, mit einem Taxi – direkt hinter dem Lastwagen – zum Hotel zu fahren. Dort trafen Lebensmittel und Koch letztlich mit zwei Stunden Verspätung ein. Bolli setzte seine Kochmütze auf und schaffte es gerade noch rechtzeitig, der Delegation zum ersten Mal an einem Auswärtsspiel seine Kochkünste zu präsentieren.

Welch Meisterleistung er hier vollbracht hatte, beschied ihm der Schweizer Manager des Hotels: «Wie haben Sie das in zwei Stunden geschafft? Sonst geht das mindestens vier Tage!»

 

(19.11.2008 – Patrick Gunti für SFV Fan Club)