Nachwuchsförderung in der Fussball-Küche

Seit 14 Jahren sorgt Nationalmannschafts-Koch Emil Bolli bei Auswärtsspielen für das leibliche Wohl unserer Elite-Kicker. Aber er behält sein grosses Wissen und seine Erfahrungen nicht für sich, sondern vermittelt alle wichtigen Kenntnisse auch dem hoffnungsvollen Nachwuchs, wie beispielsweise dem Chef de Partie im Hotel Bern, Lucas Justus, oder seiner Tochter Andrea Bolli.

Seine Feuertaufe im Kreise einer Landesauswahl erlebte Lucas Justus, der mit Bolli im Hotel Bern arbeitet, bei der U-17-Weltmeisterschaft in Nigeria. Bei dieser Reise blieb wenig Zeit, sich einzugewöhnen. Höchstleistungen unter ganz besonderen Umständen waren von Anfang an gefragt. Auf Umwegen fand Justus denn auch eine Küche vor, die europäischen Standards entsprach und sowohl Spieler wie auch Staff waren voll des Lobes über das Essen.

Die Zubereitung der Mahlzeiten war dabei nur ein Teil der Arbeit. Dabei die besonderen hygienischen Umstände zu beachten, war mindestens ebenso wichtig. Von Emil Bollis Erfahrungen und Organisationstalent profitierte Justus aber nicht nur in der Küche, sondern auch bei der Beschaffung der Lebensmittel, wo er oftmals gezwungen war, Druck zu machen, damit er alle Speisen rechtzeitig bereit hatte. Im umgekehrten Fall wird Bolli bei der Planung und Organisation der «Mission WM 2010 in Südafrika» wiederum von den Erfahrungen von Justus profitieren, die dieser in Afrika gemacht hat und aus diesen wertvolle Rückschlüsse für seine Arbeit ziehen.

Der Apfel fällt nicht weit…

Die «Nachwuchsförderung» à la Bolli funktioniert aber nicht nur im Betrieb sehr gut, sondern auch in der Familie. Seine Tochter Andrea, die nach der Kochlehre die Hotelfachschule in Bellinzona absolviert hat und als Betriebsassistentin im Restaurant Arcadia im bernischen Ittigen arbeitet, ist neuerdings auch mit einer SFV- Auswahl auf Reisen. Mit der U-21 war sie im Rahmen der EM-Qualifikation Anfang Oktober in Estland und anschliessend in Irland. Nicht nur die vier gewonnen Punkte stimmten die Delegation froh, man war sich auch über Andrea Bollis Kochkünste einig: «Das schmeckt!» Und so wird sie Mitte November auch bei der Reise zum schwierigen Auswärtsspiel in der Türkei mit von der Partie sein.

Andrea Bolli bringt Erfahrung mit dem Kochen in fremden Gefilden und unter ungewohnten Umständen mit: 2008 kochte sie an den Olympischen Spielen in Peking für die Schweizer Segel-Delegation.

In der «männerlastigen» Fussballwelt weiss sich Andrea Bolli mit dem vom Vater geerbten Schalk und Witz durchzusetzen: «Was gibt es zu essen, wenn wir gewinnen?», wurde sie von einem Spieler «Wiener Schnitzel!». Der «Und wenn wir verlieren?» Andrea: «Haferbrei!»

 

(23.10.2009 – Patrick Gunti für SFV Fan Club)